Lokales

spandau und berlin

das Schild zur EröffnungHeute um 11 Uhr sollte die feierliche Eröffnung des Maselakeparks sein.
Gestern war ich ja schon zu einer Vorabbesichtigung da und kann deshalb mit Bestimmtheit sagen, dass dieses Schild (Foto links) gestern abend dort noch nicht stand. Man will halt nicht zuviele Besucher anlocken. Deshalb wahrscheinlich auch der Termin mitten in der Woche (in Berlin gibt es kein Fronleichnam).

Gleich am Anfang des Geländes wurde ich von zwei jungen Personen begrüßt, die dort vermutlich aufpassten, dass sich niemand den grünen Teppich unter den Nagel reißt, der es den Besuchern ersparte durch knöcheltiefen Sand laufen zu müssen. Vielleicht sollten sie auch diejenigen lotsen, die sich zwischen Absperrgittern und Baufahrzeugen zu verlaufen drohten. Zwischenfälle gab es während meines zwanzigminütigen Aufenthalts jedenfalls keine, aber man merkt es schon: Die Bauarbeiten sind noch nicht wirklich abgeschlossen.

Dann war natürlich ein Vergleichsfoto zu gestern wichtig. Hier ist es. Ich hab versucht, den Punkt möglichst genau wiederzufinden, aber ich hätte wohl das Foto besser mitgenommen.
Nordhafen und Maselakepark heute

Was auf dem Foto nicht so gut rauskommt ist, dass man auf den Holzplanken dem Wasser schon ein bisschen näher ist. Anleger für Sportboote nennt sich das. Da auf der Einladung auch Freizeitsportler willkommen geheißen wurden, dachte ich ja, dass es auch für die paddelnde und rudernde Front eine Möglichkeit zum Ein- und Aussetzen gibt. Aber das folgende Foto macht schon deutlich, dass die Höhe des Anlegers das nicht hergibt.
der Anleger fuer Sportboote

Falls dies
der Strand?
das Angebot für die Unterschicht der Wassersportler sein soll, biete ich den Verantwortlichen gerne Augenbinde und Zigarette an. Irgendwo wird sich schon eine freie Wand finden…

Kommen wir aber noch zum traurigsten Teil dieser Eröffnung. Von 11.00 - 13.00 Uhr sollte diese Veranstaltung gehen. Nicht sehr lange, weshalb man eine dichte Drängung vermuten könnte. Dem war aber nicht so. Ich war um kurz nach 11 da. Mein Individualbereich war nie in Gefahr durchschritten zu werden. Und das ganze “Fest” lief so gesittet ab, dass man von Buden, wirklichen Bierzelten, Stimmung oder gar Musik abgesehen hat. Die Spandauer würden die Partyfahne schon trotzdem hochhalten. Dachte man wohl.

Aber sie taten es nicht. Vielleicht weil einfach keiner da war. Vielleicht aber auch weil keiner wusste, dass hier überhaupt was abging. Die Anzahl der angelegten Boote und die zu vermutende Menge an Besatzung stimmte in etwa mit der “Masse” überein, die sich unter dem weißen Zeltdach tummelte. Dann war da noch der angereiste Kindergarten zum Einweihen des Spielplatzes. Nur von Mitbürgern aus der Nachbarschaft keine Spur.

So kann ich also hoffen, dort auch in Zukunft meine Ruhe zu finden. Nur so schön wie früher ist es jetzt nicht mehr.

Es gab in Spandau mal den Nordhafen. Ab morgen ist das aber nur noch Geschichte. Zwar bleibt der Hafen als Wasser bestehen, aber das Gelände wird dann der Maselakepark sein. Ich war gerade bei einer “Preview” und erkenne einen radikalen Wandel.

so war's frueher (links)
Bevor das Gelände für den Umbau gesperrt wurde, hatte es den Flair des Heruntergekommenen. Wechselnde Bodenbeläge, zerschundener Boden, freies Gelände, das bessere Zeiten gesehen hat. Wenn man seine Ruhe suchte, dann fand man sie dort zwischen Anglern und großzügig verteilten Spaziergängern.
Heute wirkt der Maselakepark auf mich nicht einladend. Schmale Wege durch den Park und ein breiter am Wasser entlang. Grünflächen soweit das Auge reicht. Unbequeme und seltsam verteilte Sitzgelegenheiten. Immer noch eine riesige Fläche, nur dass sie jetzt unterjocht ist.
Bis jetzt war dort die Atmosphäre dunkel aber nie beängstigend. Ab jetzt wird es dort nach Sonnenuntergang dunkler sein als je zuvor. Eben noch (am hellerlichten Tag) bot mir ein junger Mann Waren des Herrn Michail Timofejewitsch Kalaschnikow an. Nur ein Spinner? Oder ein Zeichen, dass dieser Ort unter keinem guten Stern mehr steht?

Wenn man so auf den Seiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung liest, dann könnte man glatt den Eindruck gewinnen, sich auf den Straßen Berlins mit dem Fahrrad komfortabel bewegen zu können. Dass da geflunkert wird, merkt man aber auch schon ohne Ortskenntnis.

“Das Radverkehrsnetz umfasst nicht nur bauliche Radwege, sondern auch Radfahrstreifen, mitgenutzte Busspuren, Angebotsstreifen und Fahrradstraßen. Verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen runden das Angebot auf den Straßen ab. Freigegebene Wege durch die Parks, die Wälder und an den Wasserläufen erhöhen die Attraktivität des Radfahrens in Berlin erheblich.” [Zitat von benannter Seite]

Sich mit Bussen eine Spur zu teilen, gehört wohl eher in die Kategorie “Albtraum”. “Verkehrsberuhigte Zonen” bedeuten auch für Radler: Schritttempo! Fußgänger und spielende Kinder haben den absoluten Vorrang!
Auch in (den meist sehr schlanken) Tempo-30-Zonen fühle ich mich nicht gerade wohl. Denn da überholt zu werden, gehört wohl mit zu den Abenteuern des Alltags. Ich denke, viele werden das ähnlich sehen.
Und zu den “freigegebenen Wegen durch Parks” fällt mir spontan die Baustelle gegenüber ein. Ein riesiges Gelände, das gerade für die Naherholung umgebaut wird. Viel Grünfläche. Viel Platz. Wege, auf denen keine zwei Kinderwagen aneinander vorbeipassen. Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu vermuten, dass hier das Radfahren nicht erlaubt sein wird. Und wie geschrieben: Alles neu angepflanzt, angelegt und gebaut. Aber eben nicht für Radler!

Aber ich will den Guten Willen nicht ungesehen lassen. So gibt es z.B. auch ein 10-Punkte-Programm zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Ich hätte da einfach nur zwei Sachen, mit denen ich mich an die Autofahrer wenden würde.
1. Es gibt zwar keinen konkret festgelegten “ausreichenden Sicherheitsabstand”, aber man pendelt sich da vom Verständnis bei 1,5 - 2 Metern ein. Ein Brötchen misst keine 1,5 Meter. Genauso wenig wie ein Brot, ein kleines Baguette oder selbst ein großes Baguette. Die meisten modernen Zimmertüren messen so ungefähr 2 Meter in der Höhe. Drei Viertel davon sind 1,5 Meter!
2. Beim Rechtsabbiegen haben Radfahrer und Fußgänger Vorrang (Vorfahrt). Um den zu gewähren muss man kucken (z.B. rechts über die Schulter durch die Seitenscheiben).

Ein Punkt, auf den man bei der Gestaltung des Radler-Paradieses wohl auch nicht geachtet hat, sind die “Parkplätze”. Aber vielleicht gilt hier: Gleiches Recht für alle! Die Autofahrer haben keine Abstellplätze, also bekommen Radfahrer auch keine. Jedenfalls wurden im Hauptstadtblog Hinweise darauf gefunden.

Andere Hinweise, wie z.B. den auf den Europäischen Tag des Fahrrads am 03.06., oder auf Aktionen, wie Einkaufen mit dem Rad, findet man beim CruiserKing.
So kann man sich dann nach der stressigen Fahrt durch die Stadt, der Todesnähe und der sportlichen Betätigung inmitten der Abgase, zumindest im Internet dem Radler-Paradies hingeben.

Und wer sich an mich als der, der sowieso immer nur im Wald und zu sportlichen Zwecken Rad fährt, erinnert, sei auf den neuesten Stand gebracht. Ja, ich benutze das Rad jetzt desöfteren auch als Fortbewegungsmittel.

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