Operation 20

Wie wird man 20 kg los?

Ich gehöre zu den Werbeverseuchten, die tatsächlich glauben, dass man ohne Pulsuhr (die Hersteller sagen lieber: Pulscomputer) kein gutes Fitnesstraining machen kann. Zuviel Fit for Fun gelesen, zuviele Fitnesstipps aus diversen Bikezeitschriften verinnerlicht. Und dann auch noch technikvernarrt. Keine Chance für mich. Also habe ich natürlich eine Pulsuhr. Und zwei noch davor. Hier ein bisschen Erfahrung:
Meine erste Pulsuhr war die Sigma PC6 (gibt’s nicht mehr). Die macht genau das, was man auch wirklich braucht. Sie zeigt den Puls an und gibt einem die Möglichkeit in einem selbstdefinierten Trainingsbereich zu trainieren und beim verlassen “gewarnt” zu werden. Das ist es. Die Bedienung ist natürlich bei sowenig Funktionen einfach.
Weil ich in der Bike Arena Sauerland einen Höhenmesser haben wollte, habe ich mir dann von CicloSport den HAC3 gekauft. Die Funtionenvielfalt ist schon um einiges größer. Zwei Trainingsbereiche sind definierbar. Auf dem Display lassen sich gleichzeitig zwei verschiedene Werte anzeigen (also z.B. Herzfrequenz und aktuelle Höhe). Das allerdings nicht frei kombinierbar. Dann kann man sich Durchschnittswerte, Tageshöhenmeter und noch vieles mehr zeigen lassen. Nicht schlecht. Schlecht sind allerdings die Köpfe. Um ein Training (und damit die Aufzeichnung für berechnete Werte) zu starten, muss man gleichzeichtig zwei Knöpfe drücken und hoffen das es losgeht. Beim ersten Mal hat das nie(!) geklappt. Das hat einen sehr hohen Nervfaktor. Dann die Tatsache, dass ich einen Knopf einfach so verloren habe (ohne Crash und alles). Und das Schlimmste: Auch auf mehrere Anfragen (wegen dem Knopf) bei CicloSport habe ich keine Antwort bekommen. Mein persönliches Fazit: Für mich keine Geräte mehr von diesem Hersteller, aber wer’s wagen will…
Meine aktuelle Pulsuhr ist wieder von Sigma: PC15. Frisch am Samstag gekauft ist sie natürlich mein “Liebstes”. Die Menüs wirken erst als würden sie einem einiges abverlangen, aber wenn man sich einmal alles in Ruhe angeschaut hat, dann ist man dank Volltextanzeige auch unterwegs sofort Gutfreund. Nach Eingabe der persönlichen Daten berechnet die Uhr drei Trainingszonen, deren Eckwerte man aber auch manuell verstellen kann. Diverse Durchschnittswerte, wielange wurde in welchen Trainingsbereich trainiert, verbrannte Kalorien (finde ich zwar witzig, kann ich aber kaum glauben; wie soll das gehen?), Rundenzähler und noch mehr. Ich bin zufrieden und für die Höhenfunktion muss ich mir dann irgendwann mal einen anderen Tacho kaufen.
Nachtrag am 19.07.06: In der Fit for Fun 08/06 ist die Sigma Testsieger bei den Einsteiger-Pulsmessern geworden.

Das Trainig heute war dann aber trotzdem nicht auf den Puls fixiert, sondern auf die Zeit. Zwei Stunden sollten es doch endlich mal sein. Und heute war auch Zeit und genug Lust dafür vorhanden. Die ersten 40 Minuten im Wald waren sehr erhebend und schnell vergangen. Dann 20 Minuten Asphalt auf dem Todesstreifen. Ein bisschen mehr Tempo, aber der Puls blieb. Super! Noch ein bisschen aufdrehen (ein bisschen Spaß muss sein) und zurück in den Wald. Den Spaß hätte ich allerdings knicken sollen. Mit müden Beinen war die nächste Stunde schon sehr zäh. Und weil der Wald so klein ist, musste ich ihn auch noch mehrmals durchkreuzen. Das war dann kein Spaß mehr.
Dann war auch mal wieder Probewiegen. Aha, dem Ziel ein wenig entrückt(!). Macht Sport dick? Na gut, egal. Aber nächste Woche will ich auch auf der Waage Ergebnisse sehen.

2:02 h
135 bmp
36,0 km
17,8 km/h
91,7 kg

Nach einem wirklich fast bewegungslosem Tag gestern, begann das Training heute mit einem Schlauchwechsel gefolgt von ein bisschen GA1. Und dieses mal mit Pulscomputer.

Die blanken Zahlen meinen Konditionslosigkeit vor mir, war ich dann auch so abgelenkt, dass mein Puls immer höher stieg, bis ich mich meiner Atmung besann. Ist schon doll: Die Erkennung von Melodien oder die Zuordnung von Synchronstimmen zu den jeweiligen Originalschauspielern scheint bei mir vom Rückenmark abgehandelt zu werden, aber atmen muss ich erst ganz bewußt (so richtig mit denken)?!? Jedenfalls sank der Puls durch diese sehr bewußte Atmung wieder auf die gewünschten Werte.

133 bpm (Herzfrequenz)
1:02 h
19,6 km
18,6 km/h

Die Reihenfolge der Werte zeigt übrigens auch immer deren Priorität beim Training

Trainingsmäßig habe ich heute alle Ziele verfehlt. Und man steckt sich, gerade anfangs, kleine Ziele. Mit einer ordentlichen Portion Pech, kann aber eben alles schief gehen.

Heute sollte es ans Eingemachte gehen. Naja, jedenfalls hätte Disziplin und ein bisschen Ausdauer dazu gehört. GA1 (65-75% vom Maximalpuls) und ca. zwei Stunden waren geplant. Aber um seinen Puls im Blick zu haben, braucht man einen Pulsmesser. Leider waren die heute alle wegen Defekt oder leerer Batterie verhindet. Hier bitte einen Fluch einfügen! Nach Abhilfe suchend habe ich dann auch noch ordentlich Zeit verschwendet, so dass der neue Plan dann so aussah: 1,5 Stunden gemütlich fahren und dabei den Puls per Gefühl im erwähnten Bereich halten.
Ich schätze, ich habe ihn erst an der Obergrenze gehalten und bin auf dem letzten Stück bestimmt auch noch drüber gerutscht. Außerdem habe ich mich noch verschätzt und war schon zu früh wieder zurück. So wird das nichts mit kontrollierten Training, aber egal. Abhaken und weitermachen.

1:18 h
24,1 km
18,6 km/h

Wenn ich drei (mit der Spazierfahrt am Sonntag sogart vier) Tage in Folge zu “Trainingszwecken” aufs Rad steige, sagt das schon sehr viel über meine Motivation aus. Deswegen wollte ich auch nicht schon den heutigen Tag als Regeneration aussetzen. Und das obwohl der Appetit auf eine bestimmte Art von Stecke heute fast Null war.
Ich habe aus dieser kleinen Unlust den richtigen Schluß gezogen und eine überschaubare Strecke gewählt. Jederzeit wissen wo man ist, wieviel noch vor einem liegt und was vor einem liegt. Die Stecke ist also eine alte Bekannte. Ein bisschen Wald, dann Radweg an der Straße, eine lange Schleife den ehemaligen Grenzstreifen entlang und zurück.

Wenn man gerade wieder mit dem Training beginnt, dann kann man noch viel Veränderung beobachten: Gewicht, Kondition, Fettgehalt :-) und auch die Pulsdaten. Und genau die habe ich weggelassen, weil es einen auch nervös machen kann. Locker fahren ohne die Zunge raushängen zu lassen war der Marschbefehl für diese Woche. Aber an dem Punkt, an dem ich die letzten Tage zwischendurch ein bisschen aufgedreht habe, wurden mir heute die Beine schwer. Zu schnell losgelegt? Zu hohe Gänge? Unkonzentriert (und falsch) gefahren, weil “anspruchsvolles” Gelände fehlte? Oder einfach überlastet? Was auch immer: Morgen ist trainingsfrei und ich überlege, doch lieber mit Pulsmesser zu fahren.
Den “Einbruch” habe ich jedenfalls mit ein paar Minuten Easy-Going wieder in den Griff bekommen und die Runde locker (naja, jedenfalls mit Kraft in den Beinen) beendet.

Nebenbei habe ich übrigens heute meinen ersten Live-Maulwurf gesehen. Der war allerdings tot (sonst hätte ich ihn wohl auch nicht zu Gesicht bekommen) und noch kleiner, als ich mir das immer vorgestellt habe.

1:00 h
19,3 km
19,4 km/h

(für die, die es bemerkt haben: Die Werte sind auf Minuten bzw. auf eine Nachkommastelle gerundet.)

Gestern habe ich ein Reh aufgescheucht und heute wieder. Keine Verzückung darüber zu empfinden, gibt mir das Gefühl, das wäre normal. Hoffentlich bleibt das so (dass Rehe eine normale Erscheinung sind).
Dafür staune ich dann aber darüber, dass es im Spandauer Forst echt dunkel an einigen Stellen ist. Selbst in diesem Mini-Wald hat das etwas Mystisches.

1:12 h
20,4 km
17,1 km/h

Immer wenn ich auf die Waage steige und mich dann vorbeugen muss, um die Anzeige zu erkennen, fällt mir wieder ein, wie gerne ich doch früher Mountainbike gefahren bin. Und ich denke, dass ich mal wieder fahren sollte. Ich hatte nie aufgehört. Ich habe dem nie abgeschworen. Ich bin einfach irgendwann nicht mehr gefahren. Warum also nicht mal wieder auf den alten Drahtesel steigen?
Dann kommt aber schnell ein Ablenkungsgedanke. Zum Beispiel sowas wie: Ist das mit dem Bauch eine Schutzfunktion des Körpers, die verhindern soll, dass man die Anzeige und damit das elendlich hohe Gewicht sofort und ohne Vorwarnung sieht? Beugt der Bauch also gegen Traumata vor? Und mit dem Gedanken im Kopf wird’s dann wieder nichts mit der Bewegung.

Woher kommt eigentlich die Unmotiviertheit? An Ausreden ist man (denn ich bin bestimmt nicht der einzige) ja generell nicht verlegen. Besonders dieses Jahr war es extrem einfach einen Grund zu finden. Erst war es zu kalt, dann zu glatt, als nächstes zu matschig, und dann war’s einfach zu ungemütlich/regnerisch. Dank des brachialen Übergangs von Winter zu Hochsommer konnte man danach auch gleich wieder Kreislaufgefährdung durch Sport bei exrem hohen Temperaturen vorschieben. Und gerade der letzte Punkt ist ja ein richtiges Argument. Jedenfalls bei mir.

Ich blicke zurück. Sommer 2002. Ich fahre mit Kind und Kegel ins Hochsauerland zum Radsportvergnügen. Kind und Kegel bleiben sich selbst überlassen, und ich genieße mit meiner Freundin die Touren der Bike Arena Sauerland. Das war Spaß pur und hier (aus meinem kleinen kaeskesplace-Archiv) gibt’s sogar noch meine Eindrücke von diesem Urlaub. Und einen Teil der Endbemerkung habe ich auch wahr gemacht, denn im Herbst waren wir dann gleich nochmal da. Beide Trips waren echt super und das trotz des verregneten Wetters (im Sommer hat’s immer nachts geregnet und im Herbst generell, so dass man immer aussah wie Sau).

Nach soviel Spaß war die Fitness und die Sucht nach mehr natürlich groß. Aber auch mit Grunewald ist Berlin nicht mal ein Trostpflaster, denn um dahin zu kommen, muss man schon hunderten (oder vielleicht sogar noch mehr) Autos die Gelegenheit geben einen zu überfahren. No Risk no fun! Mal anders interpretiert.
Der Fitnesslevel sinkt und damit auch immer mehr der Spaß, wenn man trotzdem mal fährt. Bäh! Alles Scheiße!

So kann man sich durch einen Urlaub sein ganzes Hobby versauen.

Gestern bin ich mit dem Race-Bike ein bisschen rumgefahren, und heute habe ich damit ein bisschen Sport getrieben. Keine Pulsuhr. Kein Plan. Den Tacho nur um die Zeit zu zählen (eine Stunde sollte es schon sein). Vielleicht komm’ ich ja wieder rein. Die optimale Gelegenheit 20 kg loszuwerden. Keine Diät! Nur Sport!

Aber meine Daten zum Verfolgen (hauptsächlich für mich selbst):
1:12 h
19,4 km
16,2 km/h
91,3 kg (ich habe auch unvernünftiger Weise noch nichts gegessen)

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